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Jul 29

Christopher Street Day: Gottesdienst mit Koranlesung in Berlin

2017 war die Evangelische Kirche in Berlin mit einem eigenen Wagen beim CSD vertreten. Foto: imago stock&people

Berlin (idea) – Ein multireligiöser Gottesdienst hat am Abend des 27. Juli anlässlich der Homosexuellenparade Christopher Street Day (CSD/28. Juli) in Berlin in der evangelischen St. Marienkirche stattgefunden. Beteiligt waren in dem vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte initiierten Gottesdienst mit 300 Besuchern unter dem Motto „Liebe tut der Seele gut“ Christen, Juden und Muslime. Dabei wurde auch ein muslimisches Gebet gesprochen.

Der 2017 zum Islam übergetretene Christian Awhan Hermann (Marseille) las die Suren 1,2 und 112 aus dem Koran. In Sure 112 heißt es: „Sprich: Er ist Gott, der Eine; Gott, der Beständige; er zeugte nicht und wurde nicht gezeugt, und keiner ist ihm ebenbürtig.“ Die Predigt hielt eine Bischöfin der Evangelisch-Baptistischen Kirche von Georgien, Rusudan Gotsiridze (Tbilisi). Sie sagte, dass in ihrem Heimatland noch viele LGBT-Menschen (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell) Repressalien ausgesetzt seien. In Deutschland sei hingegen schon viel erreicht worden. Sie empfinde es als stärkend, hier einen fröhlichen und vielfältigen Gottesdienst feiern zu dürfen: „Nur wenn wir gemeinsam für diese Sache brennen, können wir etwas erreichen.“ Weiter sagte sie: „Du kannst nur Licht sein, wenn Du Dich wie eine Kerze selbst verzehrst, für andere brennst, die Dir selbst nicht am nächsten sind und für sie leuchtest. Am schönsten bist du, wenn Dein Licht strahlt und es strahlt immer weiter, als Du es glauben magst.“

Evangelische Kirche ist mit einem eigenen Wagen beim Christopher Street Day dabei

Im Programmheft des Gottesdienstes hieß es, dass ein Gottesdienst zum CSD das „Toleranz erschließende Potential der drei Buchreligionen“ zur Geltung bringen wolle: „Damit wird deutlich, dass das religiöse Menschenbild Kraft zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung ermöglicht und alles von Gott Geschaffene geliebt ist.“ Die im „Bündnis gegen Homophobie“ beteiligten Religionsgemeinschaften – die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz (EKBO), das jüdische Abraham-Geiger Kolleg (Potsdam) sowie die Ibn-Rushd-Goether-Moschee und der Liberal-Islamische Bund (beide Berlin) – setzten zusammen mit Verantwortungsträgern aus Politik und Gesellschaft durch ihre Teilnahme ein Zeichen, hieß es im Programmheft. Zum ersten Mal sprach der Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer (Die Linke), in dem Gottesdienst ein Grußwort. Der Gottesdienst fand statt in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Berlin), die nach eigenen Angaben einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen entgegenwirken will. Wie im Vorjahr ist die Berliner evangelische Kirche am 28. Juli mit einem Wagen auf der Parade vertreten. Schirmherrin der Aktion ist Berlins Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte ist der bekennende Homosexuelle Bertold Höcker. Der Christopher Street Day erinnert an den ersten bekanntgewordenen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der „Christopher Street“ von New York am 28. Juni 1969. Daraus ist eine weltweite Bewegung geworden.

Quelle: idea

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