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Mrz 29

Die Krätze ist auf dem Vormarsch: Milbeneier unter der Haut – Schon Hunderte Infizierte in NRW

In Deutschland breitet sich die Krätze aus

Die Krätze war in Deutschland lange kein Thema mehr. Nun melden Köln und Aachen einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen – nicht nur dort ist Krätze, die durch Milben übertragen wird, offenbar wieder ein Problem. Hautärzte sind alarmiert.

Die Krätze ist nach Einschätzung von Hautärzten in Nordrhein-Westfalen auf dem Vormarsch. Die Fälle dieser Hauterkrankung nähmen zu, teilte der Berufsverband der deutschen Dermatologen mit.

Zunächst traf es die Region Aachen, jetzt sind auch im Raum Köln vermehrt Krätze-Fälle aufgefallen: Das Kölner Gesundheitsamt verzeichnet nach Recherchen des Kölner „Express“ einen sprunghaften Anstieg. „Meldepflichtig sind nur die Erkrankungen in gemeinschaftlichen Einrichtungen wie Schulen, Flüchtlingsunterkünften, Altenheimen. Hatten wir in den Jahren 2010 bis 2013 dort 18 bis 26 Meldungen, waren es 2014 schon 39. Im Jahr 2015 stieg die Zahl auf 43 und in diesem Jahr sind es bereits 65“, berichtete Leiterin Anne Bunte (54) der Kölner Zeitung. Rückmeldungen von Hautärzten wiesen auf eine deutlich Zunahme der Erkrankungen hin.

Übertragung durch Milben

„Aachener Zeitung“ und „Aachener Nachrichten“ hatten zuerst über die Situation in ihrer Städteregion berichtet. In wissenschaftlichen Fortbildungen seien die Diagnose und Behandlung der juckenden Hauterkrankung zunehmend ein großes Thema, sagte der Sprecher des Berufsverbands Ralf Blumenthal, nachdem die steigenden Fallzahlen in Aachen bekannt wurden.

Dort waren die aus Schulen und Kitas gemeldeten Fälle von elf (2013) auf 316 (November 2016) gestiegen. Warum die Milben sich gerade jetzt ausbreiten, ist unklar: „Es gibt keine Erklärung für diesen Anstieg“, sagte der Sprecher der Städteregion Aachen, Detlef Funken.

Menschen mit trockener Haut stärker betroffen

Nach anderen früheren Medienberichten hatten auch Hautärzte in Krefeld schon im Frühjahr eine auffallende Häufigkeit von Krätze registriert. Aus Kontakten mit Kollegen weiß der Dermatologe und Lehrbeauftragte der Uni Köln, Bernhard Korge, dass es auch vermehrt Fälle in Euskirchen und Düsseldorf gibt.

Die Hautkrankheit (medizinisch: Scabies) wird durch winzige Parasiten, sogenannte Krätzmilben, durch Hautkontakt übertragen. Sie graben sich in die Haut und legen dort ihre Eier ab.

Die Behandlung erfolgt einfach über eine Salbe oder Tablette. Doch es dauert Wochen bis die heftigen Juck-Attacken aufhören. Menschen mit trockener Haut sind laut Korge stärker betroffen als Leute mit fettiger Haut. Der starke Juckreiz verleitet zum Kratzen, daher der Name der Krankheit.

Gefährlich bei vielen Menschen auf engem Raum

Nach Angaben des Mediziners ist die Diagnose schwieriger geworden, weil sich das klinische Erscheinungsbild verändert hat und einem Ekzem gleichen kann. Die richtige Diagnose könne sich manchmal hinziehen. Werde dann aber die richtige Diagnose gestellt und das passende Medikament gegeben, gehe von dem Patienten schon nach einem Tag keine Ansteckungsgefahr mehr aus.

Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, sei das Infektionsrisiko besonders hoch. Brutstätten können laut Korge neben Kindergärten und Schulen auch Hotelbetten, Altenheime und Krankenhäuser sein.

Offenbar haben sich die Milben aber auch weiterentwickelt: Zwischen Infektion und Diagnose können Wochen vergehen, weil die Betroffenen die Symptome zunächst nicht erkennen – Zeit für weitere Ansteckungen.

Grippe und Co. schlimmer

Dennoch sieht das Kölner Gesundheitsamt noch keinen Grund, Alarm zu schlagen: „Viel schlimmer sind da Grippe, Masern oder Windpocken. Denn da gibt es eine Tröpfchen-Infektion“, sagt Leiterin Bunte. Krätze werde nur durch intensiven Hautkontakt übertragen.

Hygiene wichtig

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums sind Erkrankungen in Kitas und Schulen den kommunalen Gesundheitsämtern zu melden. Das Ministerium schätzt die Fallzahl in der Städteregion als sehr niedrig ein. Betroffen sind demnach 0,06 Prozent der Bevölkerung. Die örtlichen Gesundheitsbehörden entscheiden über alle notwendigen Maßnahmen. Die Städteregion hat eine Informations-Broschüre heraus gegeben.

Daraus wird klar, wie aufwendig die Maßnahmen für Betroffene sind: Kleidung, Handtücher und Bettwäsche müssen täglich gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Sachen, die nicht gewaschen werden können, müssen sieben Tage luftdicht in eine Plastiktüte gepackt werden. Polster, Matratzen und Möbel müssen täglich abgesaugt werden.

Quelle: Focus

 

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