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Mrz 21

Haus Waldhof soll neue Unterkunft für Flüchtlinge in Oerlinghausen werden

Am Rand der Zentralen Unterbringungseinrichtung stehen zwei Gebäudeteile, die zur Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden können. (© Knut Dinter)

Oerlinghausen. Wenn die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) im Oktober geschlossen wird, muss die Stadt Oerlinghausen eigene Unterkünfte für Asylbewerber betreiben. Der Rat hat sich bereits vor geraumer Zeit mit dem Thema befasst. Gefunden wurde eine Lösung, die nach den Worten von Bürgermeister Dirk Becker in mehrfacher Hinsicht Vorteile biete.

„Von der Entwicklung in der ZUE waren wir in Oerlinghausen alle überrascht“, bekannte Becker. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Unterkunft auch über 2019 hinaus betrieben wird.“ Im vergangenen August gab die Bezirksregierung Detmold bekannt, dass der Standort nach insgesamt vier Jahren aufgegeben wird, weil der Eigentümer, das Evangelische Johanneswerk in Bielefeld, den Mietvertrag nicht verlängern will.

Wegen der ZUE war die Aufnahmequote in Oerlinghausen erfüllt. „Doch wenn die Einrichtung nicht mehr vorhanden ist, entfällt auch die Anrechnung der Flüchtlinge“, sagte Becker. Wie allen anderen Kommunen werden dann auch der Bergstadt Geflüchtete zugewiesen. „Wir gehen davon aus, dass etwa 80 Personen kommen könnten.“ Genaue Prognosen seien kaum möglich. Der Plan, die Notunterkunft am Stukenbrocker Weg 42 zu renovieren und um einen Pavillon zu erweitern, wurde schnell wieder fallengelassen. Becker: „Die Baracke wird ganz aufgegeben, sie ist deutlich in die Jahre gekommen.“

Im Gespräch mit dem Johanneswerk habe sich dann eine Perspektive eröffnet. Das gemeinnützige Unternehmen will sich offenkundig von seiner gesamten Liegenschaft an der Robert-Kronfeld-Straße trennen. Die Geschäftsleitung war jedoch bereit, auch einen Teil zu veräußern. In der Folge konnte die Stadt Oerlinghausen das Haus Waldhof zum 1. November 2019 erwerben.

Es habe zahlreiche Vorteile, argumentierte der Bürgermeister. Das Haus ist räumlich von den anderen Gebäuden abgegrenzt, es ist bereits als Unterkunft für Asylbewerber zugelassen und entsprechend ausgestattet. Außerdem sei der Kaufpreis deutlich günstiger als ein Neubau, erklärte Becker, ohne Summen zu nennen. Das Haus Waldhof umfasst zwei Gebäudeteile, die nach Geschlechtern getrennt belegt werden könnten. „Damit werden mögliche Konflikte schon im Vorfeld verhindert“, sagte Becker. Bis zu 100 Plätze seien vorhanden. „Wahrscheinlich werden wir die Vier-Bett-Zimmer nicht voll belegen, um möglichst viel Privatsphäre zu bieten.“

„Die Menschen, die uns zugewiesen werden, haben eine relativ hohe Bleibeperspektive“, hob der Bürgermeister hervor. „Sie werden dauerhaft zu Einwohnern unserer Stadt und sind deshalb zu integrieren – in der Kita, in der Schule, im Arbeitsmarkt.“ Zur Betreuung dieser Personen werde noch im Laufe des Jahres eine Sozialarbeiterstelle eingerichtet. Dennoch bedeute die neue Situation eine große Herausforderung für die Verwaltung.

„Ich setze deshalb wieder auf die Unterstützung durch das Ehrenamt“, sagte Becker. „Wir brauchen die Vereine und Initiativen sowie den Runden Tisch Asyl.“ In einem Beirat sollen sich alle Akteure, einschließlich der Geflüchteten, zusammensetzen. „Wir wollen den regelmäßigen Austausch zwischen Ehrenamt, den Behörden und den Menschen, die zu uns kommen.“ Dieses Miteinander habe sich früher schon bezahlt gemacht.

„Ich wünsche mir, dass die Integration vom ersten Tag an gelingt, dass die Menschen gleich das Gefühl haben, sie gehören dazu“, sagte der Bürgermeister.

Johanneswerk plant noch

Nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz sind die 396 Städte und Gemeinden in NRW verpflichtet, ausländische Geflüchtete aufzunehmen und unterzubringen. Für anerkannte Geflüchtete hat das Land NRW eine Ausländer-Wohnsitzregelungsverordnung erlassen. Die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) Oerlinghausen kann 600 Bewohner aufnehmen, die Kapazität ist jedoch auf 300 beschränkt. Derzeit leben hier etwa 200 Menschen. Wie die Liegenschaft künftig genutzt wird, ist noch nicht bekannt. Nach Auskunft des Evangelischen Johanneswerks läuft der Planungsprozess noch.

Quelle: LZ

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