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Jun 12

„Jeder soll schwimmen lernen“: NRW-Gymnasium kauft Burkinis für Schülerinnen

Eine muslimische Schülerin in einem Ganzkörper-Badeanzug (Burkini) am Rande eines Schwimmbeckens

Wegen der Probleme beim gemischten Schwimmunterricht hat ein Gymnasium in Herne 20 sogenannte Burkinis angeschafft. Die islamkonformen Ganzkörperbadeanzüge sollen muslimischen Schülerinnen bei der Integration helfen. Von Schülern und Eltern sei die Aktion gut aufgenommen worden, so die Schule. Pädagogen üben jedoch Kritik.

Wie die „WAZ“ berichtet, hat das Pestalozzi-Gymnasium in Herne bereits kostenlose Burkinis an 15 Schülerinnen verliehen. „Damit hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen“, sagte Schulleiter Volker Gößling der Zeitung. Der Schwimmunterricht ab der sechsten Klasse sei verpflichtend, muslimische Schülerinnen hätten jedoch aus Glaubensgründen nicht teilgenommen.

Mit der Zuwanderung von Flüchtlingen habe sich die Situation verändert, ohne Burkini hätten viele der Mädchen nicht mit männlichen Schulkameraden zusammen  ins Becken steigen wollen. Die Schule habe daher selbst 20 der islamkonformen Badeanzüge im Internet bestellt, was 400 Euro gekostet habe. Das Geld stammte laut Gößling aus Spenden und Fördermitteln, Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

„Schlechtes Signal“ der Schulleitung

An der gutgemeinten Aktion gibt es jedoch Kritik, wie die „WAZ“ weiter berichtet. „Die Schule handelt im vorauseilenden Gehorsam“, zitierte die Zeitung den Erziehungswissenschaftler Klaus Spenlen. Die Schule hätte zuerst versuchen sollen, einen reinen Mädchen-Schwimmunterricht zu organisieren. Die Beeinträchtigung in der Glaubensausübung müsse in jedem Einzelfall geprüft werden – und sei für die Mädchen auch erst ab der Pubertät relevant.

Auch die Islamkritikerin Mina Ahadi sprach von einem „sehr schlechten Signal“. Den Mädchen werde signalisiert: ‚Wenn ich nicht den Burkini nehme, bin ich eine schlechte Muslimin und ein schlechter Mensch‘. Die Eltern sollten vielmehr über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Deutschland aufgeklärt werden. Viele muslimische Eltern seien sogar dafür, dass die Tochter im Bikini schwimmen lernt.

Nutzen für die Integration

Der Integrationsratsvorsitzende Muzaffer Oruc hingegen begrüßte den Schritt, wie die „WAZ“ berichtete. „Wenn junge Frauen aus Glaubensgründen nicht mit Männern schwimmen wollen, muss man das akzeptieren“, sagte er der Zeitung. Die Hilfestellung der Schule für Schülerinnen ab der Pubertät sei daher sinnvoll. „Wenn die Schüler fernbleiben, ist das auch keine Integration.“

Schulleiter Gößling erklärte, er vertrete eine klare Haltung: „Bei uns soll jeder schwimmen lernen und dafür schaffe ich die Bedingungen.“ Viele der Integrationsschüler am Gymnasium hätten mäßige bis keine Schwimmerfahrung. Von den Schülern, Eltern und Lehrern habe sich niemand beschwert und die Rückmeldung von den Betroffenen sei positiv. „Sie nehmen jetzt am Unterricht teil“, so Gößling.

Quelle: Focus

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