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Nov 30

Linksradikalismus: Sarrazin-Lesung in Bremen wegen Sicherheitsbedenken abgesagt

Wird nicht in Bremen auftreten: Thilo Sarrazin (Michael Kappeler/dpa)

Der umstrittene Autor und einstige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) sollte am 10. Dezember in Bremen auftreten. Jetzt hat der Veranstalter die Lesung abgesagt.

Der wegen seiner Migrationsthesen umstrittene Autor und einstige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wird am 10. Dezember nicht wie geplant in Bremen auftreten. Dies teilten die Veranstalter und Sarrazin dem WESER-KURIER am Freitagmorgen mit. Als Grund gibt die „Havanna Lounge“ Sicherheitsbedenken an. Ein linkes Bündnis hat für den Abend des Auftritts Protest angekündigt. Schon am vergangenen Wochenende hatten Werder-Ultras ein Banner im Stadion entrollt, das sich gegen Sarrazin und die Havanna Lounge richtete.

Veranstaltung wäre nicht öffentlich gewesen

Die Havanna Lounge ist ein privater Wirtschaftsclub, der sich am Börsenhof hinter der Bremischen Bürgerschaft befindet. Thilo Sarrazin schrieb dieser Redaktion, er sei von der Lounge im Juli eingeladen worden. Zu der nicht-öffentlichen Veranstaltung konnten sich nur Mitglieder anmelden. Dies hätten bislang 90 Personen getan. In der Einladung hieß es, es solle um Sarrazins aktuelles Buch gehen.

Sarrazin teilte nun mit, dass der Geschäftsführer der Lounge die Veranstaltung abgesagt habe, weil die Antifa und eine linke Fangruppe von Werder Bremen Demonstrationen angekündigt hätten. Zudem seien Mitarbeiter der Lounge „unter beispiellosen Druck“ gesetzt worden, der Geschäftsführer fürchte offenbar aufgrund des ausgeübten Drucks um seine berufliche Existenz.

Seit Tagen mobilisiert ein linkes Bündnis aus Erwerbslosenverband, der Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ und der Verdi-Jugend in sozialen Netzwerken gegen die Veranstaltung mit Sarrazin. Es plant eine Demonstration vom Ziegenmarkt im Viertel zur Havanna Lounge, zu der 250 Menschen erwartet wurden. „Sarrazin ist ein ideologischer Brandstifter“, sagte der Anmelder der Demonstration, Tobias Helfst. Sarrazin sortiere die Menschen nach vermeintlicher Herkunft, Religion und Geschlecht in nützlich und überflüssig. „Er versucht, unsere Stadt zu spalten. Aber wir lassen uns nicht spalten“, erklärte Helfst. Er sagte, es sei fast nicht so wichtig, ob die Organisatoren die Veranstaltung zurückziehen. Man wolle trotzdem demonstrieren. Für den 5. Dezember hat das „Bremer Bündnis gegen rechts“ zudem zu einer Veranstaltung im DGB-Haus eingeladen, die sich gegen Rechtspopulismus richtet.

Bremer Landesvorsitzende bezeichnet Sarrazin als „Rassist“

Die Bremer SPD bemühte sich vorab um Ruhe. Die Landesvorsitzende Sascha Aulepp sagte: „Leute wie Thilo Sarrazin verdienen keine öffentliche Aufmerksamkeit. Auch eine Gegendemo wird er für sich nutzen.“ Für Aulepp ist Sarrazin „verwirrt“ und ein „Rassist“, so jemand habe definitiv nichts in der SPD verloren. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) teilte mit, er kenne Sarrazin nicht persönlich, was er schreibe, sei „rassistischer Unfug“. Es sei äußerst bedauerlich, dass die Sarrazin trotz der Beschlüsse der Partei noch nicht ausgeschlossen werden konnte. Ihn schütze die Partei-Satzung. Bovenschulte erklärte vor dem Bekanntwerden der Absage des Auftritts in Bremen: „Ich hoffe, er findet keinerlei Resonanz.“

Thilo Sarrazin schreibt: „Eine Frage an den Weser-Kurier: Ist so der Stand der Meinungsfreiheit in der Freien und Hansestadt Bremen?“ Er bat darum, seine E-Mail als Leserbrief zu veröffentlichen.

Die SPD versucht seit Jahren, den früheren Berliner Finanzsenator (2002 bis April 2009) und Vorstandsmitglied der Bundesbank, Thilo Sarrazin, aus der Partei zu werfen. Im dritten Verfahren gegen ihn entschied eine SPD-Schiedskommission im Frühjahr 2019, dass Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen werden darf. Dagegen wehrt er sich juristisch. Anlass der Kritik waren nicht nur seine Aussagen über Hartz-IV-Empfänger, denen er Tipps für eine günstige Ernährung gab, sondern vor allem abwertende Aussagen über Einwanderer und den Islam. Der einstige SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Sarrazin vor, „Hobby-Eugeniker“ zu sein, weil dieser sich in seinem 2010 erschienen Buch „Deutschland schafft sich ab“ auf Francis Galton berufe. Galton war ein britischer Naturforscher, der als einer der Väter der Eugenik gilt. Sarrazin veröffentlichte weitere Bücher, etwa über die Grenzen der Meinungsfreiheit und den Islam.

Quelle: weser kurier

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