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Dez 06

Milde Haftstrafen für versuchten „Ehrenmord“ an schwangerer Mutter!

Ehemann Alla R. (l.) und Abd W. haben auf die damals 17-jährige Alaa W. eingestochenFoto: Sascha Baumann /all4foto.de,

Ehemann und Bruder stachen auf die 17-jährige schwangere Alaa ein, rammten ihr ein Messer u.a. in Brust und Hals, filmten und verhöhnten sie dabei +++ Täter müssen nur für weniger als 8 und 7 Jahre in Haft

Ravensburg – Im Prozess um den versuchten „Ehrenmord“ an Alaa W. (18) ist jetzt ein Urteil gefallen.

Richter Veiko Böhm schickt Alaas Bruder Abd (21) für sieben Jahre und sechs Monate wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung ins Gefängnis, Ehemann Alla R. (35) für sechs Jahre und neun Monate. Die Eltern des Opfers wurden zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

„Es ist kein klarer Fall, glasklar ist aber, dass kein Mensch es verdient hat, in seinem Gesicht entstellt zu werden, Messerstiche in die Brust zu kriegen und in seinem eigenen Blut liegend um sein Leben zu bangen“, so der Richter in seiner Begründung.

Trotzdem fiel das Urteil am Freitagnachmittag milder aus als es die Staatsanwaltschaft forderte

▶︎Staatsanwalt Florian Steinberg (39) forderte ursprünglich neun Jahre und sechs Monate für Bruder Abd W. sowie eine Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt für etwa die Hälfte der Zeit. Ehemann Alla sollte laut Staatsanwaltschaft für acht Jahre in die Zelle. Die Eltern sollten seinem Plädoyer zufolge jeweils zu drei Jahren wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, da sie durch das Rufen des Krankenwagens vom Versuch die Körperverletzung zu begehen, zurückgetreten seien.

Rechtsanwältin Amely Schweizer plädierte hingegen für die Mutter des Opfers auf Freispruch: „Die Eltern haben nach der Tat alles versucht, Abd aus der Wohnung zu bekommen, um Schlimmeres zu verhindern.“

Laut den Vermutungen des Gerichts gab es keine Absprachen zwischen den Eltern, Bruder und Ehemann die junge Alaa direkt zu töten. Ihr Bruder Abd sei die treibende Kraft hinter dem Verbrechen gewesen. Ehemann Alla soll sich dabei von ihm mitreißen lassen haben.

Die Beteiligung der aus dem Libanon nach Deutschland gekommenen Eltern sei in weiten Teilen unklar, so das Gericht. Letztlich riefen sie aber einen Krankenwagen. „Die Eltern wollten nicht, dass die Tochter stirbt“, so Böhm.

Der schockierende Fall

Am Abend des 27. Februar 2018 liegt eine junge Frau blutüberströmt auf ihrem Bett, weint, hält sich den Bauch, ruft um Hilfe und krümmt sich schließlich zusammen. Alaa W. (damals 17) wurde brutal niedergestochen!

Die mutmaßlichen Täter: Alaas eigener Bruder Abd W. (21) und ihr syrischer Ehemann Alla R. (35). Alaa sollte sterben, weil sie sich in Jamal (27) verliebt hatte. So habe sie angeblich die Familienehre beschmutzt!

Die damals 17-Jährige war mit Jamal zusammen und von ihm im dritten Monat schwanger. Sie hatte sich von ihrem Mann getrennt und wollte mit ihrem Freund zusammenziehen, sobald sie 18 würde ‐ doch das wollten ihre Eltern nicht akzeptieren. Mit ihrem Mann lebte sie weiter in der elterlichen Wohnung. Ende Februar eskalierte dann die Situation!

Ehemann Alla R. (35) im Gerichtssaal
Ehemann Alla R. (35) im GerichtssaalFoto: Sascha Baumann / all4foto.de

Im Kinderzimmer rammten die Männer ihr ein Messer unzählige Male in Brust und Hals, schlitzten ihr die Mundwinkel auf. Wie durch ein Wunder überlebte Alaa den Angriff, kam schwer verletzt in die Klinik. Auch das Kind überlebte.

Mutter und Vater des Opfers: Mutter Khaoula W. (62) und Samih W. (64)
Mutter und Vater des Opfers: Mutter Khaoula W. (62) und Samih W. (64)Foto: Sascha Baumann /all4foto.de

Während seinen Gräueltaten filmte sich Bruder Abd mit seinem Handy, machte insgesamt 13 Videos, von denen er drei an Alaas neuen Freund Jamal schickt. Gegen 21:28 Uhr verließen die beiden Täter die Wohnung und flüchteten. Vater Samih W. setzte einen Notruf ab. Alaa lag bis zum 1. März auf der Intensivstation, musste wegen Schnittverletzungen an beiden Händen operiert werden. Sehnen und Nerven wurden durchtrennt. Im Herzbeutel der damals 17-Jährigen sammelte sich Luft.

Das Opfer hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt.

Quelle: BILD

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