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Aug 12

Nigerianer vor Gericht : Kreditkartenbetrug – Kunst des Schwarzfahrens

Um Kreditkartenbetrug dreht sich ein Prozess vor dem Landgericht. Foto: dpa/Silas Stein

So wie es der Angeklagte einräumte, war alles recht einfach: Er rief eine bestimmte Internet-Seite auf, meldete sich an, gab seine Bestellungen auf. Auf diese Art und Weise hat der 36-jährige aus Leverkusen über vierhundert Mal Aufträge erteilt.

Vor allem die  Deutsche Bahn wurde durch diesen Kreditkartenbetrug erheblich geschädigt.

Dass es sich dabei keineswegs um ein unbedeutendes Problem handelt, machte der Kripobeamte deutlich, der die Ermittlungen in diesem Fall leitete, der derzeit vor dem Kölner Landgericht verhandelt wird. Über Server im Ausland werden die Daten von Kreditkarten angeboten, für einen bis zu zwölf Dollar kann man einen Datensatz erhalten. Das ist dann wie ein Glücksspiel, berichtet der Ermittler: „Manche Eingaben werden sofort blockiert, mit anderen werden bis zu tausend Betrügereien begangen“.

Wie das funktioniert, hatte der Leverkusener schnell begriffen, der aus Nigeria stammt und vor einigen Jahren seiner Mutter über Italien nach Deutschland folgte. Hier hat er einen Job als Zusteller eines Subunternehmens bei einem Paketdienst gefunden. Bei seinem Geständnis vor Gericht zeigte er Reue, die Untersuchungshaft habe einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen. Letztlich hat er auch zu befürchten, dass er bei einer höheren Strafe aus Deutschland abgeschoben werden kann.

Die Bestellmöglichkeiten mittels der gekauften Kreditkarten habe ihm ein Freund erklärt. Obwohl der von der Staatsanwaltschaft ausgewiesene Schaden sich auf rund 40.000 Euro beläuft, habe der Angeklagte sich persönlich kaum bereichert. Diesen Eindruck versuchte er zu vermitteln. Vielmehr habe er auf Nachfrage von Freunden und Bekannten ihnen die Bahntickets besorgt.

Daneben habe er auch Bestellungen für Kleidungen zum persönlichen Gebrauch vorgenommen. Dabei ging er durchaus geschickt vor; mit gefälschten Namen und Email-Adressen tätigte er seine  Einkäufe. Aber vor allem besorgte er seinen Freunden immer wieder Tickets für Bahnfahrten – gewissermaßen ein ausgeklügeltes System  „als hohe Kunst des Schwarzfahrens“.

Der Polizist erklärte zum möglichen System, dass es derzeit geschätzt 300.000 bis 400.000 Datensätze von Kreditkarten im Internet gebe. Die Bahn unterhalte in Potsdam eine eigene Abteilung, die Betrugsfällen nachgeht und die Informationen mittels eines elektronischen Datenausgleichs auch ans Kölner Polizeipräsidium schickt. In diesen Datensätzen versucht die Polizei über IP-Adressen und Telefonnummern an  die Gauner zu kommen – so in diesem Fall. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: rp

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