Feb 20

Weil Opfer Christ war: Iraker greift Iraner mit dem Messer an

Anklage gefährliche Körperverletzung: Issa A. soll dem Opfer einen Kruzifix-Anhänger vom Hals gerissen habenFoto: Michael Gstettenbauer

Düsseldorf/Langenfeld – „Wer konvertiert, muss umgebracht werden!“

Mit diesen Worten soll der Iraker Issa A. (31) einen iranischen Mitbewohner (33) attackiert haben, als der an einem Sonntag aus der Kirche zurück in die Flüchtlings-Unterkunft in Langenfeld kam.

Rasend vor Wut soll er dabei auf Salman G. eingeschlagen, ihm einen Kreuzanhänger vom Hals gerissen und in die Toilette geworfen haben, bevor er ihn mit einem Messer am Kopf verletzte. Jetzt steht Issa A. wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Düsseldorf.

Das Opfer über den Angeklagten: „Er ist ein extremer Moslem. Ich hatte Angst um mein Leben, habe ihn angefleht. Er sagte, wer mich umbringt, kommt ins Paradies.“ Drei Tage lag der Ingenieur im Koma, musste notoperiert werden.

Der Angeklagte dagegen bestreitet ein religiöses Motiv. Auch von einem Messer will er nichts wissen. Vielmehr sei es zum Streit gekommen, weil Salman G. seine im Bad aufgehängten Shorts in den Müll geworfen habe. Für den Prozess sind fünf Tage angesetzt.

Quelle: BILD

Feb 20

Polizei will mehr Beamte mit Migrationshintergrund – Ein Bundesland hängt alle ab

Polizisten mit türkischen, italienischen oder kroatischen Wurzeln sind vor allem in Ballungsgebieten längst keine Exoten mehr – die Polizei wird so stärker zu einem Spiegelbild der Gesamtgesellschaft. Diesen Trend will die Polizei fortführen und wirbt in einigen Bundesländern ganz gezielt Menschen mit Migrationshintergrund an.

Das geht aus einer bundesweiten Untersuchung des „Mediendienst Integration“ hervor. Das Land mit den meisten Bewerbern aus Einwandererfamilien ist mit 36 Prozent Berlin. Auch in Bremen, NRW und im Saarland bewerben sich viele Menschen mit Migrationshintergrund. Berlin stellt in Folge auch die meisten ein: Im vergangen Jahr stammten 32 Prozent der neu Eingestellten aus Einwandererfamilien. Im Osten sieht es anders aus.

Gezieltes Werben

In den meisten Ost-Bundesländern wird der Migrationshintergrund nicht erfasst. Nur Sachsen-Anhalt konnte Angaben über neu Eingestellte mit Migrationshintergrund machen: Im Vergleich zu 2016 fiel die Zahl um fast zwei Prozentpunkte auf sieben Prozent. Das Bundesland ist damit Schlusslicht. Sachsen und Thüringen gaben zudem als einzige Bundesländer an, dass es keine Sondermaßnahmen gibt, um Menschen mit Migrationshintergrund anzuwerben.

Ein Versäumnis, denn die Studie zeigt, dass der Anteil von Polizisten aus Einwandererfamilien vor allem dort steigt, wo junge Leute mit Migrationshintergrund gezielt angesprochen werden. In Baden-Württemberg etwa wurde 2018 eine neue Website zur Nachwuchswerbung der Polizei gestartet, die Menschen aus Einwandererfamilien gezielt anspricht. Im selben Jahr hatten 27 Prozent der neu eingestellten Polizisten einen Migrationshintergrund – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Quelle: Focus

Feb 20

Freundin musste sterben, weil sie Liebhaber hatte: Kasache lebenslang hinter Gitter

Der Angeklagte 49-jährige Kasache hat Revision gegen das Urteil eingelegt, muss nun aber trotzdem lebenslang hinter Gitter.

Halle (Saale) – 14 Monate nach dem grausamen Mord an seiner Lebensgefährtin wurde der 50 Jahre alte Täter wegen Mordes verurteilt.

Der Familienvater hatte am 28. Dezember 2017 seine Lebensgefährtin (†40) im Reisebüro des Einkaufscenters an der Eselsmühle in Halle mit 29 Messerstichen getötet. Sie soll ihm wenige Wochen vor der Tat eröffnet haben, dass sie einen Liebhaber hatte.

Das Landgericht Halle verurteilte den Täter daraufhin am 21. Juni des vergangenen Jahres nach fünf Verhandlungstagen wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Angeklagte hatte den Tatvorwurf eingeräumt. Die Kammer hatte die Tat wegen des niederen Beweggrundes der Eifersucht nicht als Totschlag, sondern als Mord gewertet.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte die gegen das Urteil eingelegte Revision des Angeklagten verworfen. Das Urteil gegen den aus Kasachstan stammenden Mann ist damit rechtskräftig.

Der Bundesgerichtshof wies die Revision des Angeklagten ab und gab somit dem Urteil der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Halle recht.
Der Bundesgerichtshof wies die Revision des Angeklagten ab und gab somit dem Urteil der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Halle recht.

Fotos: DPA

Quelle: Tag24

Feb 19

Fünfeinhalb Jahre Haft für Koma-Treter | Saarbrücken

Dardan R. (l.) und Florian J. Foto: Thomas Wieck

Saarbrücken – Sie haben ihr Opfer (35) zum Schwerstpflegefall gemacht.

Juni 2018: Dardan R. (22) schlägt den 35-Jährigen nieder, Florian J. (20) tritt dem Bewusstlosen mit voller Wucht gegen den Kopf.

Jetzt das Urteil vorm Landgericht: Florian J. muss wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Dardan R. kommt mit einem Jahr und zehn Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung davon – auf Bewährung.

Quelle: BILD

Feb 19

Rumäne soll Vergewaltigungs-Opfer verhöhnt haben „Alt und nicht hübsch“

Francisc B. soll seine Opfer verhöhnt habenFoto: Andreas Wegener

Dortmund – Als die Staatsanwältin die ungeheuerlichen Überfälle schildert, brummelt der Angeklagte Francisc B. (25) vor sich hin und schüttelt den Kopf. Doch die Ermittler sind sicher: Der Rumäne ohne festen Wohnsitz hat im August in Dortmund drei Frauen missbraucht!

Seit Montag steht der mutmaßliche Serientäter vor dem Landgericht. Staatsanwältin Alina Hildesheim (30) wirft dem Angeklagten schwere Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, gefährliche Körperverletzung und versuchten Raub vor.

▶︎ Laut Anklage hat Francisc B. am 13. August um 17.40 Uhr eine Joggerin (54) am Dortmunder Zoo von hinten überfallen: Er würgte das Opfer, zog es aus.

▶︎ Fünf Tage später soll er eine weitere Läuferin (60) angegriffen haben, die mit ihrem Hund unterwegs war. Er zückte demnach ein Messer und verlangte Sex.

▶︎ Am gleichen Abend habe er noch eine Frau (49) gewürgt. Später konnte sie sich losreißen und flüchten.

Die Polizisten hatten den Arbeiter anhand von DNA-Spuren überführen können – sein „genetischer Fingerabdruck“ war bereits in seinem Heimatland in den Polizeiakten. Dort war wegen Raubes gegen ihn ermittelt worden.

Seine Rechtsanwältin Ina Klimpke (48) kündigte an, dass sich ihr Mandant am nächsten Prozesstag zu den Vorwürfen äußern will. Nach BILD-Informationen hatte er im Polizeiverhör bereits einen Teil der Anschuldigungen eingeräumt. Doch dabei soll er seine Opfer noch verhöhnt haben – er schäme sich, weil die Frauen alt und nicht hübsch gewesen seien…

Quelle: BILD

Feb 19

Islam-Verbände wollen nicht über Homosexualität reden

Niedersachsen will, dass auch im Islam-Unterricht erklärt wird, dass Homosexuelle nicht diskriminiert werden dürfenFoto: Oliver Berg / dpa

Was wird im Islam-Unterricht an deutschen Schulen gelehrt? Wie weit darf der Staat den Lehrplan bestimmen?

Seit Jahren arbeiten viele Bundesländer mit Islam-Verbänden wie Schura und Ditib zusammen. Besonders Ditib ist jedoch als Religionsbehörde des türkischen Staates dem Einfluss der Regierung von Recep Tayyip Erdogan ausgesetzt und steht daher in der Kritik.

Wer entscheidet nun letztlich über die Unterrichtsinhalte – der Staat oder die Islamverbände?

Ein Fall aus Norddeutschland, über den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, befeuert diese Debatte jetzt: In Niedersachsen dürfen Ditib-Vertreter als ausländische Staatsbedienstete keine Gefängnisse mehr betreten, um seelsorgerisch zu arbeiten – aber in Schulen sollen sie weiter unterrichten. Doch was im Religionsunterricht an der Grundschule gelehrt wird, darüber streiten Islam-Verbände und das Kultusministerium in Niedersachsen.

Der Konflikt entzündet sich an einer Passage über Schwule und Lesben.

► Das Land Niedersachsen will, dass auch im Islam-Unterricht erklärt wird, dass Homosexuelle nicht diskriminiert werden dürfen. Doch Ditib und Schura wollen sich nicht reinreden lassen. Niedersachsens Ditib-Vorsitzender sagt, Homosexualität sei im Islam „verboten“.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wird in BILD deutlich: „Ich bedauere, dass sich die Vertreter islamischer Verbände im Beirat gegen die Berücksichtigung sexueller Vielfalt im islamischen Religionsunterricht ausgesprochen haben. Den jetzt beanstandeten Formulierungen hatte zuvor ein Imam uneingeschränkt zugestimmt.“

Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil sieht den Standpunkt von Ditib und Schura kritisch – und will sich darüber hinwegsetzen
Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil sieht den Standpunkt von Ditib und Schura kritisch – und will sich darüber hinwegsetzenFoto: dpa

Man habe dementsprechend entschieden und leiten den Entwurf jetzt dem Landtag zu. Weil: „Das Grundgesetz garantiert das Recht auf freie Religionsausübung, aber ebenso das Recht auf Gleichberechtigung, sexuelle Selbstbestimmung und freie Entfaltung der Persönlichkeit. Das sollen auch Kinder und Jugendliche früh lernen.“

Lars Castellucci, kirchenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, sagte BILD: „Alle, die in unseren Schulen unterrichten, müssen auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen. Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung angefeindet werden.“

Auch von der angesehenen Integrationsexpertin Düzen Tekkal kommen kritische Worte: „Wenn Ditib nicht bereit ist, Antidiskriminierung von Schwulen und Lesben zu unterstützen, sollten die Alarmglocken schrillen.“

Niedersachsen hält an Zusammenarbeit mit Ditib fest

Wie geht es nun weiter? Die Landesregierung will den Passus zu Homosexualität zur Not auch gegen den Widerstand der Verbände durchsetzen – Ditib hat angedroht, dagegen zu klagen.

Nun hat sich ein dritter Verband gegründet, der bei dem Thema mitreden will: Er nennt sich „Muslime in Niedersachsen“ und scheint eher bereit zu sein, auf das Kultusministerium zuzugehen – aber der Ausgang des Streits ist offen.

Die Landesregierung sagt, sie halte weiter an einer Zusammenarbeit mit Ditib im Bildungsbereich fest. Christoph de Vries, CDU-Innenexperte, stellt das in Frage: „Vielleicht müssen wir uns einen anderen Partner suchen.“

54 000 Schüler haben Islam-Unterricht

Im Schuljahr 2017/2018 nahmen laut einer Umfrage unter den Bundesländern deutschlandweit 54 000 Schüler am islamischen Religionsunterricht teil.

Dabei gibt es verschiedene Modelle: In Bayern und Schleswig-Holstein liegt der Unterricht allein in staatlicher Hand, Religionsgemeinschaften sind nicht daran beteiligt. In Niedersachsen sind Schura und Ditib Kooperationspartner, dort wurde der islamische Religionsunterricht im Schuljahr 2013/2014 eingeführt. Die Unterrichtssprache ist deutsch. In Nordrhein-Westfalen bestimmt ein Beirat Inhalte des Unterrichts und das Lehrpersonal.

Debatte über Islam-Unterricht auch in NRW

In Nordrhein-Westfalen soll der Islam-Unterricht an Schulen ausgebaut werden, heißt es dort von Staatskanzlei und Schulministerium. Dies sei „Ausdruck der Religionsfreiheit“ und auch wichtig für die gesellschaftliche Integration des Islam. Und: „Er beugt außerschulischer religiöser Bildung in Hinterhofmoscheen vor.“

Derzeit nehmen etwa 20 000 Schüler an rund 250 Schulen am islamischen Religionsunterricht teil. Der Bedarf ist aber deutlich größer und wächst. Zur Zukunft des 2012 eingeführten regulären Schulfachs heißt es in der Landesregierung, man arbeite intensiv an einer neuen Gestaltung.

Der Grund: In wenigen Monaten läuft eine Übergangslösung aus. Die vier größten Islamverbände sind seit 2012 in einem Beirat an der Erstellung von Lehrplänen oder der Erteilung einer Lehrerlaubnis für die Religionslehrer beteiligt. Dabei musste aber die umstrittene Islam-Organisation Ditib ihren Sitz im Beirat vor zwei Jahren niederlegen. „Die Ditib muss sich aus ihrer Abhängigkeit und dem unmittelbaren Einfluss des türkischen Staats lösen“, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei.

Quelle: BILD

Feb 19

ARD „Framing manual“ – Geheimpapier: So sollen wir umerzogen werden

Sie hat aufgeschrieben, wie uns die ARD umerziehen soll: Dr. Elisabeth Wehling (37), Sprachwissenschaftlerin, Expertin für „Framing“Foto: picture alliance/dpa

Sieht sich die ARD in einem „Krieg“ gegen ihre kritischen Zuschauer? Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt heute, „Das Erste“ erwecke genau diesen Eindruck mit seinem umstrittenen Geheimpapier „Framing-Manual“ (BILD berichtete).

Wie kommt die „SZ“ darauf?

Tatsächlich gab die ARD das Gutachten in Auftrag, um sprachlich den Kampf aufzunehmen mit ihren schärfsten Kritikern, die immer wieder von „Staatsfunk“ und „Zwangsgebühren“ sprechen. „Auch und gerade in Zeiten, in denen Gegner der ARD deren Relevanz in Frage stellen“ gehe es darum, die Aufgaben und Ziele der ARD „gegen die orchestrierten Angriffe von Gegnern“ zu verteidigen, so heißt es in dem Geheimpapier, das mittlerweile wohl noch mehr Menschen kennen als die ARD und deren Sender Mitarbeiter haben (mehr als 20 000).

„Orchestrierte Angriffe“? „Gegner“? Wer so etwas lese, der „kann dabei den Eindruck gewinnen, die Öffentlich-Rechtlichen befänden sich im Krieg“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ heute.

Ein „Krieg“ gegen Kritiker – und gegen das Privatfernsehen. Denn: das Papier bietet auch eine Sprach-Anleitung für alle ARD-Oberen, um private Sender gezielt schlechtzureden: Die Arbeit der ARD, so heißt es, sei „von moralischen Prinzipien getragen“, überzeugt von der eigenen „moralischen Notwendigkeit für das gesellschaftliche Miteinander“ – während die „medienkapitalistischen Heuschrecken“ des Privat-TV nur dem Profit dienen würden.

Habe der Gebührenzahler dies erst einmal verstanden, sei er dagegen, Bildung und Kultur „in die flatterhaften Hände des Kommerz-Rundfunks zu legen“ und die ARD „zugunsten von Kommerz-Sendern“ zu schrumpfen, heißt es in dem „Framing Manual“.

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Eine „Sprech-Anleitung“ für alle ARD-Oberen: das sogenannte „Framing Manual“, ein Gutachten auf Bestellung der ARD
Eine „Sprech-Anleitung“ für alle ARD-Oberen: das sogenannte „Framing Manual“, ein Gutachten auf Bestellung der ARD Foto: ARD

Medien-Experte kritisiert die ARD

Neben der Kritik an der martialischen Sprache des ARD-Gutachtens wächst aber auch die Kritik an der Intransparenz der ARD. Daran, dass der öffentlich-rechtliche Sender selbst das Papier unbedingt unter Verschluss halten wollte („Zur Weitergabe völlig ungeeignet“). Und daran, dass die ARD immer noch verschweigt, wie viel Gebührengeld die Anfertigung des Gutachtens verschlang.

Martin Rabanus (47), Medien-Experte der SPD-Bundestagsfraktion, sagte zu BILD: „Dass ein großes Unternehmen wie die ARD darüber nachdenkt, wie es sich nach außen darstellt, halte ich für nicht ungewöhnlich. Die Kosten müssen aber transparent dargestellt werden!“

Transparenz und Offenheit? Von wegen! Und das, obwohl sich „der öffentlich-rechtliche Verbund doch gerade erst und noch ganz ohne Framing-Manual – Transparenz verordnet hat“, so kritisiert die „Süddeutsche Zeitung“.

Stattdessen aber ließ ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab auf BILD-Anfrage lediglich mitteilen:„Wir bitten um Verständnis, dass wir über die Angabe hinaus, dass Frau Dr. Wehling branchenüblich vergütet worden ist, keine weiteren Auskünfte geben“.

Die ARD hatte das Gutachten vor zwei Jahren bei der Sprachwissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wehling (37) vom Berkeley-Institut in Auftrag gegeben. Wehling selbst äußerte sich auf BILD-Anfrage nicht, erklärte auf ihrer Internet-Seite aber, dass sie den Auftrag erhielt, um „den tatsächlichen Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Demokratie schon auf den ersten Blick besser erkennbar“ zu machen.

Dafür wertete die Wissenschaftlerin dann – nach eigener Auskunft – vor allem Pressemitteilungen der ARD aus. Bei dem öffentlich-rechtlichen Sender stieß die Sprech-Anleitung auf großes Interesse und auch auf Lob. Wehling stellte den ARD-Oberen ihre Ideen „in Workshops“ vor. Das Papier hatte am Ende den Segen der ARD.

Und das nicht etwa durch mehr Qualität, besseres Fernsehen und mehr Information. Sondern durch eine Art Manipulation unserer Köpfe: sogenanntes „Framing“ („Frame“: engl. für Rahmen). Gemeint ist das geschickte Nutzen bestimmter Wörter und Sprachbilder, um unsere Meinung zu beeinflussen. Ein Mittel aus Politik und Werbung. Kritiker nennen das Gehirnwäsche.

Quelle: BILD

Feb 18

Bis 2050 verdoppelt: Anteil der Muslime in Deutschland steigt auch ohne Migration

Die muslimische Bevölkerung Europas wächst, unabhängig vom Ausmaß der Zuwanderung. Das zeigen Szenarien, die US-Forscher entwickelt haben. In Deutschland könnte sich der Anteil der Muslime bis 2050 nahezu verdoppeln.

Der Anteil der Muslime dürfte in Deutschland bis 2050 von derzeit sechs Prozent auf elf Prozent steigen. Das geht aus einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew hervor. Die Voraussetzung für dieses Szenario: Die Migration setzt sich in einem mittleren Tempo fort, es kommen also nicht so viele Flüchtlinge in die Bundesrepublik wie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Das Pew-Institut hat für die Studie Daten aus allen EU-Staaten, Norwegen und der Schweiz ausgewertet. Demnach lag der Anteil der Muslime in Europa 2016 bei 4,9 Prozent. Die Forscher entwickelten drei Szenarien, wie sich die Zahl bis 2050 verändern könnte: ohne weitere Migration, bei mittlerer Zuwanderung und mit einer Entwicklung wie in den Jahren 2014 bis 2016.

  • Im ersten Szenario, also ohne weitere Zuwanderung, stiege der Anteil der Muslime in Deutschland den Forschern zufolge auf neun Prozent. Europaweit würde die Zahl demnach auf 7,4 Prozent steigen.
  • Das mittlere Szenario prognostiziert für Deutschland wie erwähnt einen Anstieg des muslimischen Bevölkerungsanteils auf elf Prozent vor. Dies entspricht auch etwa dem Wert für ganz Europa (11,2 Prozent).
  • Sollte es wieder eine sehr hohe Zuwanderung geben, würde der Anteil der Muslime in Europa auf 14 Prozent steigen, für Deutschland geben die Forscher einen Wert von 20 Prozent an. Angesichts der politischen Entwicklung nach der Flüchtlingskrise dürfte dieses Szenario allerdings eher unrealistisch sein.

SPIEGEL ONLINE

Abgesehen von der Migration gibt es der Studie zufolge zwei Gründe für den steigenden Anteil der Muslime. Erstens: Sie sind europaweit im Durchschnitt 13 Jahre jünger als der Rest der Bevölkerung. In Deutschland ist der Altersunterschied noch größer: Muslime sind demnach im Schnitt 31 Jahre alt, Nichtmuslime 47 Jahre alt.

Zweitens: Die Geburtenrate der Muslime ist höher. Hier ist der Unterschied zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Frauen in Deutschland kleiner als in anderen europäischen Staaten. Das Pew-Institut schätzt, dass die Geburtenrate muslimischer Frauen in Deutschland zwischen 2015 und 2020 bei 1,9 Kindern liegt, während nicht-muslimische Frauen 1,4 Kinder bekommen. In Großbritannien, wo viele Muslime aus Südostasien eine Heimat gefunden haben, geben die Forscher für Musliminnen einen Wert von 2,9 Kindern an, für Nichtmusliminnen wären es 1,8 Kinder.

Veränderungen durch einen Wechsel der Religion spielen der Studie zufolge nur eine untergeordnete Rolle. Von Mitte 2010 bis Mitte 2016 lag die Zahl der Muslime, die ihrer Religion den Rücken kehrten, europaweit den Angaben zufolge um 60.000 höher als die Zahl der Konvertiten, die zum Islam fanden.

Quelle: spiegel

Feb 18

Halal-Produkte in Deutschland: Der Zukunftsmarkt, den viele fürchten

Muslima beim Schminken (Symbolbild)

Millionen Muslime leben in Deutschland. Mit ihnen wächst die Nachfrage nach Halal-Produkten, etwa bei Kosmetik. Doch der Einzelhandel traut sich an das Thema bisher kaum heran.

Das Problem begann für Loubna B. beim Nagellack. Als gläubige Muslima betet sie fünfmal am Tag in Richtung Mekka: in der Morgendämmerung, am Mittag, zum Nachmittag, zum Sonnenuntergang und am Abend. Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets ist nach Sure 5, Vers 6 des Koran die rituelle Waschung des Gesichts, der Hände, Arme und Füße davor.

Damit die Waschung gültig ist, muss das Wasser die zu reinigenden Körperteile vollständig berühren – auch die Fingernägel. Die Benutzung von handelsüblichem, wasserundurchlässigem Nagellack aus der Drogerie oder dem Supermarkt ist für B. als gläubige Muslima während des Gebets daher tabu. „Auch wenn es wie eine Kleinigkeit erscheint, sind das Dinge, die einen beschäftigen„, sagt sie.

Halal als Lebenskonzept, das im Handel kaum Beachtung findet

„Halal ist ein ganzheitliches Lebenskonzept, das in fast alle Felder des Alltags reicht. Zentraler Gedanke ist es, im Einklang mit Mensch, Natur und Gott zu leben“, sagt der Theologe und Soziologe Cemil Sahinöz. Der Begriff ist arabisch und wird meist mit „das Zulässige, Erlaubte, Gestattete“ übersetzt. Häufig auch mit „rein“ und „sauber“ – je nach Kontext. Das Gegenteil von halal ist haram („verboten“).

Im Islam bedeutet halal all das, was dem islamischen Recht (Scharia) zufolge erlaubt und zulässig ist. Weltweit gibt es mehrere Halal-Standards. Neben dem malaysischen Jakim etwa das indonesische MUI oder auch SMIIC, das auf die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) zurückgeht. Das macht den Markt unübersichtlich.

Cemil Sahinöz

Florian Gontek

Cemil Sahinöz

Davon, dass es halal-konforme Produkte auch in der Kosmetik gibt, erfuhr Loubna B. vor etwa drei Jahren aus dem Netz. „Länder wie Kanada sind hier Vorreiter“, sagt sie. Die gebürtige Marokkanerin kauft ihre Kosmetik online bei einem Frankfurter Anbieter.

Nicht nur ihren Nagellack, auch Make-up, Rouge und Puder bestellt sie mittlerweile über den Onlineshop. Die Produkte sind über ein britisches Siegel halal-zertifiziert. Das Zertifikat soll Verbrauchern die Sicherheit geben, dass keine Zusatzstoffe wie Gelatine oder Kollagen in der Kosmetik enthalten sind und während der Produktion und Lagerung keine Verunreinigung mit Produkten stattgefunden hat, die als nicht halal gelten. Dazu zählen etwa Schweinefette, die heute jedoch kaum noch in der Kosmetikproduktion zum Einsatz kommen, da sie schnell ranzig werden.

Deutschlandweit gibt es mehrere Unternehmen, die halal-zertifizierte Kosmetik im Internet anbieten. Allerdings mit unterschiedlichen Zertifikaten, die unterschiedliche Anforderungen stellen – nur eine scheinbare Transparenz. Im handelsüblichen Supermarkt oder in der Drogerie sucht man nach halal-zertifizierten Produkten meist vergeblich.

„Ich würde mir, ganz unabhängig von der Halal-Kosmetik, noch deutlich mehr halal-konforme Produkte im deutschen Handel wünschen“, sagt Loubna B. In anderen Ländern, etwa in Frankreich, gebe es bereits eigene Abteilungen dafür: „In Supermärkten und Drogerien hierzulande ist das die absolute Ausnahme.“

Halal-zertifizierte Lippenstifte (Symbolbild)

REUTERS

Halal-zertifizierte Lippenstifte (Symbolbild)

Das bestätigen Anfragen bei den Drogerieriesen DM und Rossmann. Beide sagen, dass Halal-Kosmetik für sie momentan kein wesentlicher Faktor sei. Ähnlich reagiert L’Oréal, Weltmarktführer im Kosmetikbereich. Der Konzern hat sich zwar bereits Hunderte seiner Produkte halal zertifizieren lassen. Doch der Fokus liege nicht auf dem deutschen Markt, sondern auf muslimisch dominierten Ländern.

Großes Potenzial der Halal-Kosmetik

Schaut man auf die globalen Absatzzahlen von Halal-Schönheitsprodukten, wird deutlich, welch riesiges Potenzial da auch auf dem deutschen Markt schlummert. Eine Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Tech Navio aus dem Oktober 2018 rechnet vor, dass sich das Marktvolumen mit Halal-Kosmetik von aktuell 25 Milliarden Euro – dies entspricht etwa sechs Prozent des globalen Geschäfts mit Schönheitsprodukten – bis 2022 mit 55 Milliarden Euro mehr als verdoppeln könnte. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt in den nächsten drei Jahren laut Tech-Navio-Studie bei 13,55 Prozent.

Aber wie sehen nun die Zahlen in Deutschland aus? Zentral erhobene Daten gibt es nicht. Fragt man jedoch bei Herstellern wie Fair Squared nach, bekommt man eine Antwort, die kaum überrascht. Das Kölner Unternehmen bietet seine Produkte im Netz, aber auch in Dritte-Welt-Läden, Apotheken und ausgewählten Drogerien an.

„Wir verdoppeln unseren Umsatz seit Gründung des Unternehmens 2015 jährlich“, sagt Fair-Squared-Geschäftsführer Oliver Gothe, 49. Für das vergangene Jahr lag dieser bei 1,5 Millionen Euro. Gothe glaubt, dass diese rasante Entwicklung anhält: „Das Bewusstsein für Halal-Kosmetik in Deutschland beginnt gerade erst.“ Das bestätigt der Soziologe Sahinöz: „Das Bewusstsein und Interesse dafür, halal zu leben, wächst bei der jüngeren Generation der Muslime hierzulande deutlich.“

Die Themen Halal und Islam sind in Deutschland hochemotional

Da stellt sich eher die Frage: Warum schlägt sich das bisher kaum in den Warensortimenten der großen Einzelhändler nieder? Das Thema Islam und somit auch Halal ist in Deutschland hochpolitisch, die gesellschaftliche Akzeptanz für Halal-Waren gering. „Ein Wille der Politik, das Thema Halal voranzutreiben, ist überhaupt nicht vorhanden“, sagt Kemal Çalik, Chefredakteur und Gründer des Onlinemagazins „Halal-Welt„. Bis heute, kritisiert Çalik, gebe es in Deutschland etwa keine zentrale Stelle, die sich für die Anliegen von Halal-Zertifizierern zuständig fühle. Auch an Aufklärung mangele es.

Die sozialen Medien kochen, wenn Toblerone seine Schokohügel halal-zertifizieren lässt oder auf der Islamkonferenz Blutwurst serviert wird. „Ich würde mir einfach wünschen, dass solche Debatten und auch die Diskussion über das Thema Halal in unserem Land mit einer anderen Selbstverständlichkeit geführt werden“, sagt Çalik.

Hochemotional wird allein schon über die bloße Zahl der Muslime in Deutschland gestritten. Eine Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) geht von 4,4 bis 4,7 Millionen Muslimen im Land aus. Die Analyse bezieht sich in ihren Daten auf den 31. Dezember 2015, ist demnach über drei Jahre alt. Die AfD wettert, die Zahl der Muslime in Deutschland liege noch deutlich höher. Andere Studien dagegen gehen von der Hälfte der Muslime aus. Ein Verzeichnis, das Muslime in Deutschland registriert, gibt es nicht. Die Wahrheit darüber, wie viele Menschen es wirklich sind, die in Deutschland zu Allah beten, liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Einig sind sich Experten jedoch darüber, dass ihre Zahl wächst. „Muslime kommen heute nicht mehr nur aus der Türkei, wir haben mittlerweile auch syrische und afghanische Muslime in nennenswerter Größenordnung. Die türkische Halal-Industrie reicht heute längst nicht mehr aus, um der Diversität dieser Zielgruppe gerecht zu werden“, sagt Sahinöz.

Für Peter Bungenberg liegt genau hier der Antrieb seiner Arbeit. Bungenberg ist Lobbyist für Nahrung, Handel und agrarische Produkte und macht daraus auch keinen Hehl. Gemeinsam mit seinem Kollegen Oguz Evler macht er sich seit Jahren für ein einheitliches Halal-Empfehlungssiegel „Gutes erlaubt“ im deutschen Handel stark – und damit hat er Großes vor.

„Im deutschen Handel stoßen sie mit Halal auf verständnisvolle Ablehnung. Ich behaupte, dass die Muslime derzeit mit Absicht nicht beachtet werden“, sagt Bungenberg. Für ihn ist schwer nachvollziehbar, warum 1,3 Millionen Veganer in Deutschland ein allgemeingültiges Qualitätssiegel als Einkaufshilfe haben, Muslime aber nicht.

Peter Bungenberg

Bureau Bungenberg

Peter Bungenberg

Seit etwa zehn Jahren werben Bungenberg und Evler für ein einheitliches Halal-Empfehlungssiegel, seit zwei Jahren sind sie damit am Markt. Nach langer Suche haben sie sich für den Standard der malaysischen Regierungsstelle Jakim entschieden, dieser sei weltweit akzeptiert. Voraussetzung für das Empfehlungssiegel ist, dass das Produkt in mindestens einem muslimischen Staat als Halal-Produkt anerkannt ist.

Bungenberg und Evler sind mit ihrem Empfehlungssiegel bereit für den Handel – wenn der denn will. „Wir haben derzeit rund 400 Produkte, für die wir die Zusage haben, dass sie unser Empfehlungssiegel tragen würden – wenn der Handel mitspielt“, sagt Bungenberg. Genau hier liegt das Problem: „Es herrscht die große Angst, dass das durch Populisten geschürte negative Image des Islam auf die Produkte überschlägt.“

Natürlich, so der Interessenvertreter, seien der Handel und die Unternehmen, die sich beim einheitlichen Halal-Empfehlungssiegel zieren, nicht per se gegen den Islam. Dennoch, sagt Bungenberg, „unterstützen Handel und Unternehmen mit ihrem Verhalten den Rechtspopulismus – obwohl sie es gar nicht wollen“.

Norbert Kahmann bewertet dieses Spannungsfeld anders. Er ist Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Halal & Koscher, die die Industrie- und Handelskammer Hannover im Mai 2011 ins Leben gerufen hat. Für einen großen deutschen Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen arbeitet er hauptberuflich in der Qualitätssicherung. Für Kahmann sind bereits viele der Kosmetik-Produkte im Supermarkt halal-tauglich – ohne einheitliche Zertifizierung und ohne, dass dafür die Rezeptur geändert werden müsse.

Halal-Produkte seien auch bei der Industrie ein immer wichtigeres Thema, beobachtet er: Sein Arbeitskreis wachse, ihm gehören mittlerweile um die 100 Mitglieder an. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die tiefgreifende politische Reform eines Landes, rund 11.000 Kilometer entfernt.

In Indonesien, dem mit mehr als 260 Millionen Einwohnern größten muslimischen Land der Erde, müssen ab Oktober dieses Jahres alle Produkte eine Halal-Kennzeichnung tragen. Das stellt den deutschen Export vor neue Herausforderungen.

Eine einheitliche Zertifizierung – Kahmann arbeitete in der Vergangenheit eng mit der Politik an der Ausarbeitung eines konvergenten europäischen Halal-Standards – bewertet er kritisch. Zu divers seien die Halal-Anforderungen in den unterschiedlichen Ländern, zu unterschiedlich die Lebenswelten, um diese für alle Staaten auf einen umsetzbaren Nenner zu bringen. Auch in Deutschland, wo der global anerkannte Zertifizierer Halal Control eine hohe Akzeptanz genießt. In einer hierzulande einheitlichen Zertifizierung sieht Kahmann eine „große Herausforderung, da die Standards für Halal einfach unterschiedlich definiert werden.“

Peter Bungenberg und Oguz Evler lassen sich vom Vorhaben, ein deutschlandweit einheitliches Halal-Empfehlungssiegel zu schaffen, dennoch nicht abbringen. Im Gegenteil, sie planen bereits den nächsten Schritt: ein Halal-Kompetenzcenter, das bei Zertifizierungsfragen unterstützen soll; außerdem eine App, in der Halal-Produkte ausführlich in mehreren Sprachen beschrieben werden.

„Wir haben Ideen, dafür brauchen wir aber Unterstützung – von den Muslimen und vom Handel“, sagt Bungenberg. Beide Seiten zusammenzubekommen, wird schwer. Er weiß, wovon er spricht.

Quelle: Spiegel

Feb 18

Lübeck: Lange Haftstrafe für irakischen Serien- Vergewaltiger

Der Angeklagte mit verdecktem Gesicht unmittelbar vor der Urteilsverkündung im Landgericht Lübeck. Quelle: 54° / Felix König

Wegen Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung hat das Landgericht Lübeck am Donnerstag einen 30 Jahre alten Mann zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hatte gestanden, zwischen Mai und August 2018 in Lübeck zwei Frauen vergewaltigt und es bei zwei weiteren versucht zu haben.

Lübeck. Viermal schlug der heute 30-jährige Mann aus dem Irak zu. Immer sonntags zwischen 5 und 6 Uhr morgens suchte er sich seine Opfer. Immer waren es unbegleitete, junge Frauen. Er überfiel sie mit teilweise extremer Gewalt. Die Angaben der Opfer in Verbindung mit einem DNA-Gutachten ließen praktisch keinen Zweifel an seiner Täterschaft zu. Trotzdem wertete das Gericht sein umfassendes Geständnis als erheblich strafmildernd. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert, die Verteidigung sechseinhalb.

In der rechtlichen Einschätzung der Taten war sich das Gericht mit der Staatsanwaltschaft einig, wie die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz in der Urteilsbegründung ausführte. Das heißt: In zwei Fällen erkannte es auf vollendete, in zwei Fällen auf versuchte Vergewaltigung. Die Berührung von Brust und Intimbereich oberhalb der Kleidung im zweiten der Fälle wertete das Gericht nicht als vollendete sexuelle Nötigung.

Geständnis wirkt strafmildernd

Der Angeklagte folgte dem Urteil mit gesenktem Kopf. Ihm gegenüber saß als Nebenklägerin die 24-jährige Frau, die er an der Marienkirche mit außerordentlicher Brutalität dreimal hintereinander vergewaltigt hatte. Staatsanwaltschaft, Gericht und Nebenklage bewerteten diesen ersten Fall übereinstimmend als den schwerwiegendsten. Das bedeutet, dass das dafür verhängte Strafmaß als sogenannte Einsatzstrafe die Minimalstrafe ist. Die übrigen Strafen werden nach einem Anteil hinzugezählt, der im Ermessen des Gerichts liegt.

Bei dieser Einsatzstrafe lagen die Anträge besonders weit auseinander: Die Verteidigung hatte drei Jahre und zehn Monate gefordert, die Staatsanwaltschaft viereinhalb Jahre und die Nebenklage neun Jahre. Das Urteil ging hier über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus und verhängte eine Einzelstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Dass die Gesamtstrafe trotzdem unter der Forderung der Staatsanwaltschaft lag, hat vor allem mit dem Geständnis zu tun. „Der Angeklagte hat nicht die Tatvorwürfe nur abgenickt“, sagte die Richterin von Lukowicz. Ohne das Geständnis wäre es ihr zufolge nicht in allen Fällen erwiesen, dass er tatsächlich die Absicht hatte, sein Opfer zu vergewaltigen. Zudem habe das Geständnis die Anhörung der Opfer verkürzt. „Die Traumatisierung durch kritische Fragen blieb ihnen erspart.“

Opfer: „Ich verzeihe nichts“

Der Rechtsanwalt Hans Jürgen Förster, der das Opfer der ersten Tat vertrat, zeigte sich im Anschluss an die Urteilsverkündung unzufrieden mit dieser Einschätzung. In seinen Augen hatte das Geständnis angesichts des DNA-Gutachtens wenig Wert. „Da gab es praktisch nichts zu gestehen.“ Das DNA-Gutachten war in der Hauptverhandlung nicht öffentlich vorgetragen, sondern den Beteiligten zur Verfügung gestellt worden.

Der Nebenklage-Vertreter stellte auch die Bedeutung des Geständnisses für die Opfer in Frage: „Bloßstellende Fragen hätte ich auch zurückweisen können.“ Evelin Lell vom Weißen Ring Lübeck berichtete von der Reaktion des anwesenden Opfers. „Ich verzeihe nichts“, habe die junge Frau ihr gesagt, und dass das Strafmaß viel zu gering sei für das, was man ihr angetan habe. Die andere Frau, die sie betreut habe, sei „psychisch gar nicht in der Lage gewesen“, zur Urteilsverkündung zu kommen. Sie erinnerte an den Auftritt dieser Frau, einer Ausländerin, als Zeugin: „Sie spricht normalerweise perfekt Deutsch. Hier hat sie nach Worten gerungen.“

Staatsanwältin Magdalena Salska erklärte anschließend, ihre Behörde werde das Urteil akzeptieren. Verteidiger Ralf Wassermeyer ließ offen, ob sein Mandant in Revision geht. Wenn das Urteil rechtskräftig ist, wird der Verurteilte einen Teil seiner Strafe – normalerweise etwas mehr als die Hälfte – absitzen und wird dann in sein Herkunftsland abgeschoben.

Quelle: ln

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