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Nov 09

Spielverbot für Türken- Fussball- Verein FC Turabdin/Babylon nach Attacken

Schiedsrichter Gahis Safi verweist Christian Memmerbachi des Feldes.
© fro

Fußball-Verbandsligist FC Turabdin/Babylon darf das Derby am Sonntag in Kinzenbach nicht spielen. Der Schiedsrichter-Sonderbericht belastet den Verein.

Pohlheim – Die Verbandsliga-Partie zwischen dem FC Turabdin/Babylon und dem SV Bauerbach vom vergangenen Wochenende wird ein Nachspiel vor dem Sportgericht des Hessischen Fußballverbandes haben. Wie Klassenleiter Jörg Wolf (Cölbe) gegenüber dieser Zeitung bestätigte, wird am 5. November (Dienstag) um 18.30 Uhr in der Otto-Fleck-Schneise 4 in Frankfurt über die Vorfälle rund um die Partie auf dem Sportplatz in Holzheim verhandelt.

Anlass war ein vierseitiger Sonderbericht von Schiedsrichter Gahis Safi (Erlensee), der mittlerweile beim Vorsitzenden des Sportgerichts der Verbandsligen, Rainer Lach, vorliegt. „Der FC Turabdin/Babylon wurde derweil mit einem sofortigen Spielverbot belegt, sodass das für den kommenden Samstag bei der SG Kinzenbach vorgesehene Gießener Sportkreisderby nicht zur Austragung kommen wird“, sagte Wolf. Inwieweit diese Partie zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden muss oder ob die Punkte den Kinzenbachern kampflos zugesprochen werden, muss der Ausgang des schwebenden Verfahrens ergeben. „Für den Fall, dass die Partie für die Holzheimer als verloren gewertet würde, fände das Rückspiel in Kinzenbach statt“, stellte Wolf klar.

FC Turabdin/Babylon: Tätlichkeiten und Beleidigungen?

Was war passiert? Bereits vor dem Anpfiff beanstandete der in der Hessenliga und bei der U19-Bundesliga eingesetzte Schiedsrichter Gashi Safi den Platzaufbau auf dem Holzheimer Sportgelände. Auch eine der vier Eckfahnen war nicht an dem dafür vorgesehenen Platz angebracht.

Im Verlaufe der Partie zog sich das Schiedsrichtergespann zweimal den Unmut der Anhänger der Hausherren zu, als zwei vermeintlichen FC-Treffern durch Helmut Schäfer (23./45.+1) wegen Abseitsstellungen die Anerkennung verweigert wurde. Als ein Ball hinter einem Gebäude landete, forderte Schiedsrichter Gahis Safi von der FC-Bank einen neuen Spielball an. Dieser Aufforderung kamen die Verantwortlichen des FC erst nicht nach, der Ball werde schließlich gleich geholt. Der Unparteiische beharrte auf seiner Aufforderung, sodass nahezu zeitgleich zwei Bälle zur Spielfortsetzung zur Verfügung standen. Im Zuge dieser Geschehnisse führten die Gäste aus Bauerbach den Einwurf schnell aus und überraschten die FC-Abwehr eiskalt. Maximilian Wiessner nutzte dies zum 1:1-Ausgleich (43.).

FC Turabdin/Babylon: Aussage gegen Aussage

Der Sportliche Leiter des FC Turabdin/Babylon, Christian Memmarbachi, äußerte sich daraufhin lautstark in Richtung Schiedsrichter, was dieser zunächst mit der Gelben Karte – und nachdem sich der auf den Platz gehende Memmarbachi hierzu weiter äußerte – mit der Gelb-Roten Karte ahndete. Memmarbachi musste seinen Platz auf der Trainerbank räumen und stand fortan hinter der Barriere.

Im Verlauf der zweiten Halbzeit attackierte der hinter der Bande stehende Vater des FC-Spielers Sleiman Nohman den an der Außenlinie tätigen Assistenten wiederholt verbal. Daraufhin verwies Schiedsrichter Gahis Safi den Zuschauer vom Sportgelände. Beim Verlassen des Sportgeländes kam es zu verbalen Bedrohungen des aramäischen Zuschauers in Richtung des Schiedsrichters mit Migrationshintergrund. „Hier stehen massive rassistische Äußerungen im Raum“, teilte Wolf mit.

In einer flotten Partie ohne größere Fouls zeigte der Schiedsrichter sechs Gelbe Karten. Vier davon für die Hausherren. Auch hier fühlten sich die Hausherren benachteiligt und brachten dies immer wieder lautstark zum Ausdruck. In der Nachspielzeit, die vom Schiedsrichter für beide Mannschaften nicht eindeutig genug angezeigt worden sein soll, fiel quasi mit dem Schlusspfiff der 3:2-Siegtreffer für den SV Bauerbach.

FC Turabdin/Babylon: 1. Vorsitzender bestürzt

Auf dem Weg zur Sporthalle soll es zu einem tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter durch den Sportlichen Leiter des FC, Memmarbachi, sowie zu Beleidigungen des Gespannes durch den FC-Physiotherapeuten und dem FC-Keeper  gekommen sein. So ist es zumindest dem Bericht des Schiedsrichters zu entnehmen. „Inwieweit diese Aussagen des Unparteiischen entkräftet werden können, wird in der Verhandlung zu klären sein“, meint Klassenleiter Wolf. Derzeit stehe hierzu Aussage gegen Aussage, denn diesen Vorwürfen traten die Benannten entschieden entgegen.

„Wir sollten zu unseren Taten stehen, aber die Vorwürfe der Tätlichkeit und der Beleidigungen weise ich vehement von mir. Ich habe keine schlimmen Begriffe in den Mund genommen und auch keine tätlichen Handlungen gegenüber dem Schiedsrichter vorgenommen“, so Memmarbachi gegenüber dieser Zeitung.

Der 1. Vorsitzende des FC Turabdin/Babylon, Aziz Kartal, der am Sonntag selbst nicht vor Ort war, zeigte sich bestürzt von den Ereignissen. „Wir haben uns unseren guten Ruf über lange Jahre mit sehr viel Mühe erarbeitet. Es ist bitter, wenn dies innerhalb von wenigen Minuten kaputtgemacht wird. Wir müssen zunächst vor unserer eigenen Türe kehren. Der Zuschauer, der für die verbalen Entgleisungen verantwortlich ist, hat von uns Platzverbot erhalten. Ich befürchte, dass einiges auf uns zukommen wird. Wir und unsere Zuschauer müssen lernen, dass die Entscheidungen des Schiedsrichters zu akzeptieren sind“, sagte Kartal.

Quelle: Gießener Allgemeine

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