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Mrz 24

Werden Polizisten seit der Flüchtlingswelle häufiger angegriffen?

Der Respekt gegenüber Polizisten hat ab-, die Gewaltbereitschaft zugenommen, sagt Gewerkschafter Harald Vogel.

Stuttgart – Polizisten müssen im Dienst einiges miterleben. Oft werden sie auch selbst Opfer von Gewalttaten. Werden geschlagen, getreten oder bespuckt. In Baden-Württemberg wurden etwa im vergangenen Jahr über 100 Bundespolizisten attackiert. Viele fragen sich: Gibt es heutzutage mehr Angriffe auf Polizisten?

„Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft hat allgemein zugenommen“, sagt Harald Vogel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gegenüber TAG24. Vor allem bei Körperverletzungen. Oftmals seien die Täter Jugendliche mit Alkohol im Blut. Und weiter: „Wo früher ‚gerauft‘ wurde, wird heute auf am Boden liegende Kontrahenten brutal eingetreten oder eingeschlagen.“ Oft werden laut Vogel auch völlig Unbeteiligte, die zufällig vorbeikommen, Opfer von Attacken.

Was Angriffe auf Beamte angeht: Zwischen Polizisten und Polizistinnen unterscheiden die Schläger dabei weniger. Aber: „Eine Hemmschwelle ist dann teilweise noch zu erkennen, wenn sich der Täter und die Kollegin direkt gegenüberstehen. Sozusagen Auge in Auge.“ Da würden dann doch noch einige davor zurückschrecken, eine Frau zu schlagen. „Polizist zu sein ist schwer. Für Mann und Frau gleichermaßen“, bilanziert der Gewerkschaftsmann.

Seit der Flüchtlingskrise 2015 wird besonders in sozialen Netzwerken immer wieder behauptet, dass die Gewalt seither zu- und der Respekt gegenüber Polizisten abgenommen habe. Ist da etwas dran? „Grundsätzlich bedeuten mehr Menschen zwangsweise mehr Straftaten“, antwortet Vogel. Genaue Zahlen habe er nicht, nach Gesprächen mit seinen Kollegen in Baden-Württemberg neigt er aber dazu, die Frage zu bejahen.

Mangelnder Respekt vor Polizei

Der Gewerkschafter betont jedoch, dass die Achtung vor Staatsdienern schon vor der Flüchtlingswelle weniger wurde. Vogel verweist etwa auf zu wenig Personal bei der Polizei und mangelnde Sanktionen: „Wenn ich nichts vom Staat befürchten muss, dann habe ich auch keinen Respekt vor dessen Repräsentanten.“ Und bezogen auf Flüchtlinge: „Wenn ich sowieso kein Bleiberecht habe und abgeschoben werde, weshalb soll ich mich in die Ordnung des Gastlandes einfügen?“

Berichte über Attacken auf Polizisten machten sich mittlerweile auch bemerkbar, was den Nachwuchs angeht. Von Haus aus konkurriere die Polizei als Arbeitgeber schon mit Firmen, die florieren und beispielsweise ein duales Studium anbieten. Dazu kommen dann noch die Gewalt-Berichte.

„Das macht die Situation nicht einfacher und sicher überlegen sich viele Jugendliche den Schritt sehr genau, ob sie sich das ‚antun‘ wollen“, so Vogel. Verlässliche Zahlen dazu gebe es nicht. Aber: „Tatsache ist, dass sich die Polizei in den letzten Jahren sehr schwer tut, ihre Einstellungszahlen zu erfüllen.“

Mittlerweile machen die Übergriffe auf Polizisten auch die Gewinnung des Polizeinachwuchses nicht leichter. (Symbolbild)
Mittlerweile machen die Übergriffe auf Polizisten auch die Gewinnung des Polizeinachwuchses nicht leichter. (Symbolbild)

Fotos: privat

Quelle: Tag24

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