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Mrz 01

Hamsterkäufe in Deutschland: Jetzt wird sogar Büchsenbrot verlangt

Aus Angst vor künftigen Sperrzonen wie in Norditalien haben im betroffenen Heinsberg Menschen mit Hamsterkäufen begonnen. In einigen Supermärkten werden frische Lebensmittel knapp. Grundsätzlich gibt es dazu eine Empfehlung vom Bundesamt für Zivilschutz. Quelle: WELT / Lea Freist

In deutschen Supermärkten kommt es wegen des Coronavirus zu Hamsterkäufen. Der Umsatz stieg um 30 bis 40 Prozent. Das Büchsenbrot feiert ein kurioses Comeback auf dem Einkaufszettel.

Die Menschen in Deutschland bekommen die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus immer stärker zu spüren. Besonders in Nordrhein-Westfalen breitet sich der Erreger Sars-CoV-2 aus, einige Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Die Lebensmittelhändler verzeichnen eine gestiegene Nachfrage nach bestimmten Produkten. Veranstaltungen wie die Internationale Tourismusbörse in Berlin wurden abgesagt.

In ganz Deutschland sind bis Sonntag rund 100 Menschen erkrankt, hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Betroffen sind auch Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Hamburg beziehungsweise Schleswig-Holstein. In NRW gab es bis Samstag mehr als 70 bestätigte Fälle der Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 – darunter nach Angaben des Kreises Heinsberg auch vier Kinder einer Kita.

Das Virus erreichte auch die Millionenstadt Köln, daneben wurden aus Bonn, dem Sauerland und dem Raum Aachen Fälle gemeldet. Einige Schulen werden am Montag nicht öffnen. Viele Krisenstäbe tagen, Kommunen melden Verdachtsfälle, Erkrankungen oder Vorsichtsmaßnahmen – oft verbunden mit der Botschaft: nicht in Panik verfallen.

Regale mit Reinigungstüchern oder Desinfektionsmitteln waren leer

In Baden-Württemberg hat das Innenministerium neben Kindern, Schülern, Lehrern und vielen Beamten nun auch Polizisten empfohlen, vorsorglich zu Hause bleiben, wenn sie sich zuletzt in einem Risikogebiet für das Coronavirus aufgehalten haben. Risikogebiete sind nach Ministeriumsangaben die norditalienische Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Region Venetien sowie Teile Chinas, des Irans und Südkoreas.

Wegen des Virus Sars-CoV-2 wurden unterdessen zahlreiche Veranstaltungen abgesagt. Die weltgrößte Reisemesse, die ITB in Berlin, und der Autosalon im schweizerischen Genf finden nicht statt, ebenso fällt die Spieleentwickler-Konferenz GDC in San Francisco aus. Frankreich untersagte am Samstag sogar alle Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen.

In den Supermärkten in Deutschland greifen die Kunden vermehrt zu langlebigen Lebensmitteln und Getränken. Auch Regale mit Reinigungstüchern oder Desinfektionsmitteln waren leer. Nach Einschätzung des Handels drohen deswegen aber keine Engpässe. Die Lieferstrukturen seien effizient und gut vorbereitet, die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet, sagte der Sprecher des Handelsverbandes Deutschland, Kai Falk.

Einschränkungen bei der Warenverfügbarkeit im Handel seien bislang nicht festzustellen, sagte Falk weiter. Wie die weitere Verbreitung des Virus die Konsumstimmung und das Kaufverhalten beeinflusst, bleibe abzuwarten. Die Unternehmen seien mit den Behörden in Kontakt, um auf weitere Entwicklungen und Empfehlungen zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter angemessen reagieren zu können.

„Wir sind in der Lage nachzuliefern“, sagte der Vizegeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günter Päts. In den Supermärkten in Berlin und Brandenburg sei der Umsatz in dieser Woche allerdings um 30 bis 40 Prozent gestiegen. „Den Handel freut’s“, sagte Päts. Vor allem Seifen und Desinfektionsmittel seien verstärkt verkauft worden, schilderte Päts. In den Supermärkten seien haltbare Lebensmittel besonders gefragt. Besonders ein Produkt erlebt laut Päts dank Corona ein Comeback: das Büchsenbrot. „Lange Jahre war das Brot weniger oder gar nicht gefragt“, sagte er.

Nudeln und Obst stark nachgefragt

Ein Sprecher des Handelsverbandes Bayern berichtete am Samstag in München, Lieferanten hätten ihre Lagerbestände bereits erhöht. „Auf eine erhöhte Nachfrage sind wir vorbereitet.“ In der Fläche sei bislang keine Zunahme an Hamsterkäufen aus Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus wahrzunehmen, hieß es weiter. In Einzelfällen könne er dies aber nicht ausschließen.

Ein Blick in mehrere Lebensmittelgeschäfte in der Landeshauptstadt München bestätigt das. Während in zwei Geschäften alle Regale voll sind und die Mitarbeiterin eines Geschäftes von normaler Nachfrage spricht, sind in einem anderen Supermarkt mehrere Regale leer. So sehe es sonst nie aus, sagte ein Mitarbeiter am Samstag. Bereits seit Montag würden zahlreiche Konserven wie Nudeln, aber auch Obst verstärkt nachgefragt. Weil die Lieferanten nicht mehr als die übliche Menge liefern könnten, blieben einige Regale zurzeit leer. An einem Regal hingen Zettel, die die Kunden auf die Lieferengpässe aufmerksam machten.

Auch im Ausland steigt die Zahl der Infizierten weiter. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) haben sich die Fälle bis Samstag weltweit auf mehr als 85.000 Infizierte in knapp 60 Ländern erhöht. Die Weltgesundheitsorganisation zählte mehr als 50 Länder. Ein Teil der Betroffenen ist längst wieder geheilt oder hatte keine oder kaum Symptome. Auch überstandene Infektionen bleiben in der Statistik allerdings weiter erfasst. In Europa sind nach RKI-Angaben rund zwei Dutzend Länder betroffen. Italien verzeichnet mit rund 900 Infizierten bis Freitag den größten Ausbruch von Sars-CoV-2 in Europa.

Die meisten Sars-CoV-2-Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom RKI. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, weit mehr als bei der Grippe.

dpa/coh

Quelle: welt.

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