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Mrz 23

Zur Belohnung eine Wohnung: Neubau für Asylbewerber ist fertig

Ludwig Egenhofer, Leiter des Amtes für Migration und Integration im Landratsamt Konstanz (Bildmitte) während der Einführung am Tag der offenen Tür in der neuen Flüchlingsunterkunft in Radolfzell. Bild:Gerald Jarausch

Zur Belohnung eine Wohnung: In einem Neubau in der Kasernenstraße können nach Fasnacht 56 Asylbewerber einziehen. Bei der Belegung spielte es auch eine Rolle, ob sich die Interessenten in die Gesellschaft einfügen wollen und sich an die Regeln halten.

Mit einem Tag der offenen Tür hat das Landratsamt Konstanz die neuen Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber im Nordwesten von Radolfzell ihrer Nutzung übergeben. In dem Neubau, der in direkter Nachbarschaft zu den bereits bestehenden Unterkünften im Bereich des ehemaligen Offizierskasinos der früheren Kaserne innerhalb von neun Monaten entstanden ist, finden künftig 56 Personen Platz. Diese verteilen sich in dem dreigeschossigen Gebäude auf acht Wohnungen mit jeweils 78 Quadratmetern Wohnfläche. Damit entspricht das Gebäude genau dem Schlüssel, der für solche Zwecke festgelegt ist.

„Jeder Person stehen genau sieben Quadratmeter Fläche zu“, führte dazu Ludwig Egenhofer, Leiter des Amtes für Migration und Integration im Landratsamt Konstanz, aus. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume. Die Belegung der Wohnungen, die allerdings erst nach der Fasnacht stattfinden, ist bereits komplett geplant. Familien aus Syrien, Afghanistan, dem Iran sowie Gruppen aus Nigeria, Irak und Syrien werden dort einziehen.

Helle, freundliche Räume: In einem Zimmer dieser Art finden drei Personen Platz. Pro Kopf stehen jedem Bewohner rechnerisch sieben Quadratmeter zur Verfügung.
Helle, freundliche Räume: In einem Zimmer dieser Art finden drei Personen Platz. Pro Kopf stehen jedem Bewohner rechnerisch sieben Quadratmeter zur Verfügung. | Bild: Gerald Jarausch

Dabei versteht man die Unterbringung in dem Neubau auch ein wenig als eine Belohnung, wie die Leiterin der Unterkünfte, Martina Misol, gegenüber dem SÜDKURIER sagte: „Hier kommen erst einmal nur Leute rein, die sich bereits bewährt haben. Das ist auch ein bisschen als Belohnung zu verstehen für diejenigen, die sich anpassen wollen und sich an unsere Regeln halten.“ Zwei behindertengerechte Wohnungen im Erdgeschoss werden zunächst nicht belegt, bis ein entsprechender Fall vorliegt, der in Frage kommt, führte Ludwig Egenhofer aus.

Die Wohnungen in dem Neubau stellen eine neue Qualität in der Unterkunft von Flüchtlingen dar. Für den Bau hat der Landkreis Konstanz 2,6 Millionen Euro bewilligt, die laut Architekt Rolf Zimmermann ausreichen werden. Das Gebäude in Massivbauweise wird über zwei offene Treppenhäuser und Laubengänge erschlossen. Weil man aus Kostengründen auf ein Kellergeschoss verzichtet hat, sind die Technikräume, eine Waschküche und ein Kinderwagenraum im Erdgeschoss untergebracht.

Trotz Einfachheit eine positive Ausstrahlung

Auch optisch macht der Neubau etwas her: „Ziel war es, trotz der Einfachheit eine positive Ausstrahlung zu geben. Dazu tragen kleine überschaubare Wohneinheiten, eine klare Grundrissgestaltung, viel Licht und eine angenehme Farbgebung bei“, führte Ludwig Egenhofer weiter aus. Damit ist das Gebäude theoretisch in Zukunft auch für eine andere Nutzung denkbar. Die Architekten haben mit einer Gesamtkonzeption des Grundstücks den Neubau so ausgelegt, dass die verbliebenen Behelfsbauten aus der Zeit der Balkan-Kriege in den 1990er Jahren nach und nach durch weitere Gebäude ähnlich den Neubau ersetzt werden können. „So könnte eine harmonische Gesamtanlage entstehen, in deren Mittelpunkt das Casinogebäude steht“, sagte Rolf Zimmermann.

Der Neubau in der Kasernenstraße von der Südseite aus gesehen. Auf dem Grundstück könnten weitere ähnliche Gebäude entstehen.
Der Neubau in der Kasernenstraße von der Südseite aus gesehen. Auf dem Grundstück könnten weitere ähnliche Gebäude entstehen. | Bild: Gerald Jarausch

Der Tag der offenen Tür wurde von zahlreichen Nachbarn besucht, die drei Musterwohnungen besichtigten. Dabei erhielten sie von Ludwig Egenhofer ein ausdrückliches Lob für das gute Miteinander: „Das ist nicht selbstverständlich“, befand er. Zur Feier des Tages pflanzten Landrat Frank Hämmerle und Oberbürgermeister Martin Staab im Garten des Geländes gemeinsam einen Baum.

 

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